Archiv für den Monat: November 2014

Anti Milch-Kampangnen verunsichern Verbraucher

 18. November 2014

Anti-Milch-Kampagnen verunsichern Verbraucher

Milch & Gesundheit

Seit einiger Zeit häufen sich die Meldungen zu gesundheitlichen Risiken von Milch und Milchprodukten. Im Hinblick auf das allgemeine Tierwohl und den Verzicht auf tierische Produkte machen Veganer und Tierschutzorganisationen verstärkt darauf aufmerksam, dass Milch Übergewicht, Diabetes und Konzentrationsprobleme verursache sowie das Herzinfarkt- und Krebsrisiko fördere.

Das diese “Kampage” bei den Verbrauchern offenbar nicht ohne Wirkung bleibt, zeigt sich u.a. in den vermehrt auftretenden Hinweisen “laksose-frei” auf Lebensmitteletiketten und Speisekarten. Immer häufiger wird in Cafés nach veganen Kaffeegetränken gefragt oder im Restaurant auf Sahne in Soßen und Desserts verzichtet.

Wissenschaftliche Studien sprechen allerdings eine andere Sprache: Der regelmäßige Milchkonsum wirkt sich nicht aufs Gewicht aus, sondern schützt sogar in einem geringen Maß vor Übergewicht. Dasselbe gilt für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.

Übergewicht, Diabetes und Herzkreislauferkrankungen

Wer über den Milchkonsum mehr Kalorien aufnimmt, als er oder sie an Energie verbraucht, speichert diese als Fett. Logisch, gilt allerdings für jedes Lebensmittel.

Milch liefert für den Menschen leicht verdauliche Fette, dazu alle essentiellen Aminosäuren sowie Vitamin D, A, K, B12 und Folsäure. Je nach Fütterung der Tiere steigt der Anteil wichtiger Fettsäuren, wie Ölsäure, konjugierte Linolsäure (CLA) und Omega-3-Fettsäuren.

Wissenschaftler des Instituts für Ernährungswissenschaften der Universität Jena haben festgestellt, daß Milch von Kühen, die im Sommer ausschließlich auf der Weide (ökologisch) gehalten werden, dreimal mehr CLA enthält als von stallgehaltenen Kühen. Schaf- und Ziegenmilch enthält sogar noch mehr CLA als Kuhmilch. Konjugierte Linolsäure wirkt den Entstehungsmechanismen von Arteriosklerose entgegen und hat krebshemmende Eigenschaften. Milch ist unsere Hauptquelle für CLAs.

Gerade bei den Vitaminen D, B12 und Folsäure tritt in der Bevölkerung häufig eine Unterversorgung auf. Milch enthält spezielle Eiweiße (insbesondere unter den Molkenproteinen), die diese Vitamine an sich binden und deren Aufnahme in das Blut fördern. Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B12 und Folsäure verhindert die Anreicherung von Homocystein im Blut, welches Ablagerungen in den Blutgefäßen und damit Durchblutungsstörungen bis hin zu Herzinfarkt und Schlaganfällen begünstigt.

Die kurzkettigen Fettsäuren aus Milch und Milchprodukten senken im Vergleich zu kurzkettigen Fettsäuren anderer tierischer Produkte, das Risiko für Herzkreislauferkrankungen (de Oliveira Otto et al., 2012). Eine Auswertung verschiedener Studien zur Wirkung von Milchprodukten auf Cholesterinwerte und Bluthochdruck ergab, dass Käse den Cholesterinspiegel sogar senkt (vorallem das risikobehaftete LDL-Cholesterin) und fermentierte Milchprodukte, bes. bei Verwendung von Lactobacillus helveticus, Bluthochdruck reduzieren können (Tholstrup, 2006). Insgesamt steht der Milchverzehr in der Mehrheit der Studien den genannten Erkrankungen, einschließlich Diabetes mellitus invers gegenüber.

Milch übersäuert den Körper und fördert so den Knochenabbau

Die grundsätzliche Aussage, dass Milchprodukte den Körper übersäuern und so den Knochen Kalzium entziehen, ist nicht richtig. Eine vermehrte Säurebildung tritt nur bei langfristig unausgewogener Ernährung auf, v.a. durch fett- und zuckerreiche Lebensmittel mit wenig bis gar keinen Vitaminen und Mineralstoffen, begleitet durch mangelnde Bewegung.

Wichtig zum Erhalt und Aufbau der Knochensubstanz ist neben einer ausreichenden Aufnahme von Calcium auch das Angebot von Phosphat, Vitamin D und Proteinen. Milch und Milchprodukte bieten hier eine günstige Kombination sowie eine hohe Verfügbarkeit. Im Sinne einer ausgewogenen Ernährung sollten sie aber durch andere kalziumreiche Nahrungsmittel wie Obst, Gemüse, Nüsse und stilles Mineralwasser ergänzt werden.

Neben der Ernährung spielt regelmäßige Bewegung eine hauptsächliche Rolle beim Knochenaufbau und der Knochendichte.

Milchkonsum und Krebsrisiko

Häufig diskutiert wird auch der Zusammenhang von Krebs und Milch. Studien, die den Einfluss verschiedener Lebensmittel auf die jeweilige Krebsart untersuchen, konnten bisher keinen Zusammenhang herstellen. Das Risiko von Dickdarm- sowie Brustkrebs soll sich durch den Verzehr von Milch- und Milchprodukten sogar verringern.

Einzig der Prostatakrebs bleibt weiterhin im Verdacht durch den Milchkonsum negativ beeinflusst zu werden. Eindeutige Nachweise fehlen allerdings noch.

Hormone in der Milch

Laut Gerhard Rechkemmer, Präsident des Max-Rubner-Instituts sei die Konzentration der Hormone in der Kuhmilch zu gering, um sich auf den Körper des Menschen gesundheitsschädlich auszuwirken. Der überwiegende Teil der Hormone wird bereits im Magen-Darm-Trakt bzw. in der Leber abgebaut. Maximal 1 bis 3 % der Milchhormone können dann noch in den Blutkreislauf gelangen, diese Menge reicht aber nicht mehr aus, um im menschlichen Organismus noch eine Wirkung zu erzielen.

Fazit

Aus wissenschaftlicher Sicht ist die alleinige Diskriminierung von Milch und Milchprodukten als Ursache sämtlicher aktueller Zivilisationskrankheiten nicht nachvollziehbar. Als Teil einer ausgewogenen Ernährung unterstützen Milch und Käse vielmehr unsere Gesundheit. Eine artgerechte Tierhaltung fördert zudem den (Nähr-)Wert des Lebensmittels.

Quelle: VHM e.V.